Gewinner Hauptpreis 2015: Valentin Thurn und Stefan Kreutzberger

Das Autorenduo Valentin Thurn und Stefan Kreutzberger schreibt seit mehreren Jahren gemeinsam Sachbücher zu in engem Zusammenhang stehenden Dokumentarfilmen des Regisseurs Thurn. Die Themen des ebenso engagierten wie erfolgreichen Teams sind die aktuelle Nahrungsmittelproduktion, die weltweite Lebensmittelverschwendung sowie das Problem der künftigen Welternährung. Ihr 2011 erschienenes Buch „Die Essensvernichter“ wurde ein Bestseller, der Kinofilm „Taste the Waste“ über die globale Lebensmittelverschwendung wurde mit dem UmweltMedienpreis der Deutschen Umwelthilfe ausgezeichnet.

Preistraeger_2015_ThurnValentin Thurn wurde 1963 in Stuttgart geboren, studierte Geographie, Ethnologie und Politik in Frankfurt, Köln und Aix-en-Provence und schloss als Diplom-Geograph ab. Im Anschluss absolvierte er seine Redakteursausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München.

Seit 1990 produziert Thurn Dokumentarfilme für die öffentlich-rechtlichen Sender arte, ARD und ZDF. 1994 gründete er seine eigene Produktionsfirma, Thurnfilm/Valentin Thurn Filmproduktion in Köln. Darüber hinaus ist Thurn als Dozent an der RTL Journalistenschule und der Fachhochschule Köln tätig.

Am 16. April 2015 hatte sein jüngster Kinofilm Premiere. Nachdem Thurn mit „Taste the Waste“ weltweit eine intensive gesellschaftliche Debatte zur globalen Lebensmittelverschwendung entfacht hat, rückt er in seinem neuen Dokumentarfilm „10 Milliarden“ die Landwirtschaft als Basis der Welternährung in den Mittelpunkt.

Foto: Barbara FRommann

Foto: Barbara Frommann

Stefan Kreutzberger, Jahrgang 1961, ist Diplom-Politikwissenschaftler. Er arbeitet in Bonn als freier Journalist, Autor und Medienberater mit den Schwerpunkten Umwelt- und Verbraucherschutz sowie Entwicklungspolitik. 2000 erschien unter seiner Koordination das Buch zur Expo 2000 „Weltweite Projekte – Beispiele aus der Zukunft“, 2009 sein erfolgreiches Verbraucherbuch „Die Ökolüge – Wie Sie den grünen Etikettenschwindel durchschauen“. Kreutzberger ist Beiratsmitglied der Deutschen Umweltstiftung, des Nachhaltigkeitsvereins KölnAgenda und im Vorstand des Vereins foodsharing.

2011 veröffentlichte er gemeinsam mit Valentin Thurn den Bestseller „Die Essensvernichter – Warum die Hälfte aller Lebensmittel im Müll landet und wer dafür verantwortlich ist“.

Das preiswürdige, 320 Seiten starke Buch „Harte Kost. Wie unser Essen produziert wird – Auf der Suche nach Lösungen für die Ernährung der Welt“ von Valentin Thurn und Stefan Kreutzberger ist im November 2014 im Ludwig Verlag erschienen. Dieses zweite Gemeinschaftswerk korrespondiert intensiv mit Thurns jüngstem Kino-Dokumentarfilm „10 Milliarden“.

Buch wie Film widmen sich in beeindruckender Weise der Frage, wie die Ernährung der Weltbevölkerung künftig gelingen kann. Aktuellen Prognosen zufolge wird die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 auf 10 Milliarden anwachsen. Nach Aussagen der Agrarkonzerne müssten 70 Prozent mehr Lebensmittel produziert werden, um alle Menschen ernähren zu können. Den einzigen Weg dorthin sieht die industrielle Landwirtschaft im Einsatz von Chemie, Gentechnik und Massentierhaltung.

Thurn und Kreutzberger hinterfragen diese These. Sie begeben sich auf eine weltweite Suche nach zukunftsfähigen Lösungen für die Nahrungsmittelproduktion, die Mensch und Tier respektieren und die knappen Ressourcen schonen. Sie besuchen Akteure aus gegnerischen Lagern: Der industriellen und der bäuerlichen Landwirtschaft. Sie treffen Bio-Bauern und Nahrungsmittelspekulanten, besuchen urbane Gärten und Industrieschlachthöfe, Insekten- und Genlachsfarmen und nehmen jeden einzelnen Aspekt der weltweiten Nahrungsmittelproduktion unter die Lupe. Dank handfester Fakten und der umfangreichen Dokumentation der verschiedenen Denkansätze präsentieren sie glaubhaft, authentisch und überzeugend, welche Gefahren und Mängel die industrielle Landwirtschaft birgt und welche Chancen eine Umkehr zu ökologischer Landwirtschaft der Weltbevölkerung bescheren könnte.

Das spannende Buch endet nicht mit der Beschreibung des Status quo, sondern dem eindringlichen Appell der Autoren an ihre Leser und die Politik, nicht nur zu einem bewussten Umgang mit Nahrungsmitteln und Treibstoffen zurückzukehren, sondern auch aktiv und umfassend Aufklärung über die Folgen der Agro-Gentechnik und Massentierhaltung für die Natur und Gesundheit zu betreiben.

Das Fazit der Autoren: „Die Geschichten hinter unseren Lebensmitteln sind oft so unfassbar, dass man jede Hoffnung aufgeben möchte, doch die Fülle der Gegenvorschläge zeigt deutlich: Wir haben einen enormen Handlungsspielraum und können etwas verändern, wenn wir es wollen“.