Gewinner Sonderpreis 2015: Dirk Steffens

Preistraeger_2015_ Steffens

Der populäre Fernsehjournalist Dirk Steffens wurde am 05. Dezember 1967 geboren. Er absolvierte sein Volontariat an der Kölner Journalistenschule, studierte Politik und Geschichte und war anschließend zunächst als Politik- und Nachrichtenredakteur beim Deutschlandfunk in Köln tätig.

Seit 2008 ist Steffens als Dokumentarfilmer und Moderator für das ZDF und als Sachbuchautor tätig. Natur- und Wissenschaftsdokumentationen führten ihn bereits in 120 Länder und bescherten dem vielseitigen Journalisten diverse Auszeichnungen. 2010 wurde Steffens die Goldene Kamera für die erste Staffel des Terra X-Zweiteilers „Supertiere“ verliehen. Für seine Mitarbeit an internationalen Umweltprojekten wurde er 2013 vom Bundesministerium für Entwicklungshilfe mit dem Walter-Scheel-Preis ausgezeichnet. Ehrenamtlich engagiert sich Dirk Steffens als WWF-Botschafter und als Botschafter des Jane Goodall Instituts.

In seiner preiswürdigen ZDF-Reportage „Projekt Hühnerhof“ nahm sich Steffens zur abendlichen Primetime um 20.15 Uhr am 30.09.2014 und 7.10.2014 im ZDF auf sehr unkonventionelle Weise zahlreicher Fragen rund um der Deutschen erklärtes Lieblingsprodukt an.

In Niedersachsen, der Hochburg deutscher Hühnerproduktion, hat der Reporter als „Öko-Nachwuchs-Bauer“ auf dem Hof eines erfahrenen Öko-Bauern angeheuert. Gleichzeitig machte er in einem nahegelegenen konventionellen Betrieb ein Praktikum. Steffens erforschte die Gründe für die Dumpingpreise für Geflügel und den tatsächlichen Wissensstand der Verbraucher über Zuchtbedingungen in Deutschland.

Tatkräftig packte der Reporter auf beiden Hühnerhöfen mit an und versuchte als „Ökobauer auf Zeit“ nicht nur die Geheimnisse einer artgerechten Zucht zu erlernen, sondern sein Fleisch auch erfolgreich zu verkaufen. Neben der Gegenüberstellung ökologischer Aufzucht und konventioneller Hühnermast beinhaltet die Dokumentation Interviews mit Verbrauchern und Einzelhändlern, das Experiment, bei einer Familie durch „Pflegehühner“ ein neues Verhältnis zum Brathähnchen zu entwickeln und einen Gastauftritt des populären Fernsehkochs Christian Rach.

Durch seinen originellen Ansatz gelingt es Steffens in bemerkenswerter Weise, die Zuschauer für das vermeintlich unattraktive Thema seiner umfangreichen Dokumentation zu gewinnen. Die lebendige Art der Darstellung durch den „Selbstversuch“ des Reporters, als Praktikant und Ökobauer auf Zeit die Produktionsmethoden hautnah mitzuerleben, sowie die ebenso sachliche wie emotionale Präsentation der Fakten machen diese Dokumentation zu einem Fernseherlebnis der besonderen Art.

Durch den stetigen Vergleich, welche Kosten welches Hähnchen bereits während seiner Aufzucht verursacht, macht der Reporter den Irrsinn des aktuellen Preisverfalls greifbar. Seine Suche nach Abnehmern für hochpreisige Bio-Hähnchen zeigt die realen wirtschaftlichen Zwänge des Einzelhandels.

Besonders bemerkenswert ist, dass Steffens mit seiner Dokumentation weit über die Beschreibung des Status quo hinaus geht und die Endverbraucher explizit in die Verantwortung nimmt. Die Reportage geht mit ihrer einfallsreichen und gelungenen Umsetzung unter die Haut. Sie überzeugt gleichermaßen durch Sachverstand, Objektivität, Vollständigkeit und bestes journalistisches Know-how.

Trailer der Dokumentation „Projekt Hühnerhof“ auf zdf.de